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Einweihungsweg einer Schamanin

von Greta Hessel

2.Kapitel: Die Schamanin (1.Teil)

Der Ruf des Schutzgeistes

Loslassen von Beziehungen

Die Vereinigung im Trance Tanz

Rückzug in den Wald
Findhorn, Konfrontation mit dem ich Annahme des Krafttieres
Schamanische Ekstase Visionsreise. Der Traum am Wasserfall
Die erste Heilung einer Schamanin Die Taufe:
Bahya, der See im Paradies,
aus dem die Tiere trinken
Auseinandersetzung mit einem Vulkan, einem Ort der Kraft

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Der Ruf des Schutzgeistes

In meiner Klasse nun befand sich eine Mitschülerin, die ich überhaupt nicht leiden konnte. Sie kam aus der Esoterik-Szene und wir befanden uns ständig, zum Leidwesen der anderen Mitschüler, in ewig langen Streitgesprächen. Ich wollte sie von ihrem Eso-Trip herunterholen und sie wollte mich bekehren. Alle Bücher, die sie mir schenkte, schmiß ich vor Wut gleich in den nächsten Mülleimer. Eines Tages nun lud sie mich zum Äpfelpflücken ein. Da ich kostensparend leben mußte, freute ich mich darüber, günstig an 'biologisch, dynamische' Äpfel zu kommen. Sie nahm mich mit nach Hause, Auto hatte ich natürlich keins. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als sie auf eine traumhafte Landhausvilla zusteuerte, umgeben von einem wunderbaren Park. Es war aber nicht nur die äußere Schönheit dieses Ortes, ich fühlte mich gleichsam geborgen und aufgehoben. Ich merkte wie alle Belastungen von mir fielen, und dieser Ort mir Kraft gab.

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Die Vereinigung im Trance Tanz

"Wenn du willst, kannst du das Wochenende hier verbringen", bot sie mir an, "ich fahre mit meiner Familie weg." Wir saßen am hölzernen Küchentisch und sie kochte uns etwas zum Essen. "Wer ist das?" fragte ich und deutete auf ein Foto an der Wand, das mir doch etwas ungewöhnlich vorkam. "Das ist Sai Baba", antwortete sie. "Aha, und wer ist Sai Baba?" bohrte ich weiter. "Sai Baba ist ein Avatar, der in Indien lebt und Wunder vollbringen kann." jetzt fängt die wieder an zu spinnen, dachte ich und wollte aber doch noch wissen, was ein Avatar denn nun wieder sei. "Ein Avatar ist eine göttliche Inkarnation, die zu Zeiten, wenn es den Menschen schlecht geht, auf die Erde kommt, um den Menschen zu helfen. "Jesus z.B. war auch ein Avatar," sagte sie . "Und da glaubst du wirklich dran?" fragte ich erschüttert, denn ansonsten war sie eigentlich gar nicht so dämlich. "Ich fliege jedes Jahr nach Indien, um einige Wochen in seiner Nähe zu sein. Das verändert dein Leben." Sie meinte es tatsächlich ernst und da ich in ihrem Hause weilte, unterließ ich es diesmal, einen Streit anzufangen. Die Villa und der Park waren einfach zu schön, so daß ich 'trotz ihres komischen Avatars' am Wochenende wieder hinfuhr. Ich legte ein paar Kassetten auf, "Bhajans" stand auf dem Titel und merkte, wie die Musik mich magisch anzog. Ich fing an zu tanzen und tanzte immer wilder, ich konnte überhaupt nicht mehr aufhören. ich hörte Sai Baba's Ruf und fühlte ihn in meinem Körper. Sein Bild drängte sich ständig vor meine Augen, bis ich erschöpft einschlief. Meiner Freundin erzählte ich am nächsten Tag nichts davon. Es war mir furchtbar peinlich, ich schlich mich von dannen, besuchte sie aber dann öfter.

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Findhorn, Konfrontation mit dem ich

Irgendwann, als wir mal wieder mit rauchenden Köpfen über schwierigen Referaten saßen, die wir kaum selbst verstanden, sagte sie mir: "Du mußt nach Findhorn". Von Findhorn hatte ich schon gehört, es war selbst bei den Linken bekannt, vor allen Dingen wegen der ökologischen Küche. Also fuhr ich nach Findhorn, im Norden von Schottland und nahm an einer 'Erfahrungswoche' teil. ich hatte Angst vor dogmatischen Richtlinien und Ideologien, jedoch nichts dergleichen geschah, man konnte ungläubig bleiben, wenn man es wollte und das wollte ich auch. Ich machte ständig Witze, störte und kritisierte alles, was mir in den Weg kam. Schließlich waren die anderen auf dem Holzweg. Die Gruppenarbeit begann, wir bekamen alle eine 'Engelkarte', auf meiner stand 'Transformation'. Zwischendurch wurde die Gruppe für mich so unerträglich, daß ich einfach nicht mehr hinging. Ich zog es vor, in die nächste Kneipe zu gehen, anständiges Guiness zu trinken, statt Kräutertee, Zigaretten zu rauchen und Pommes zu essen. Dieser heiligen Stimmung im Camp war ich einfach nicht gewachsen. Glücklicherweise fand ich noch einige Mitstreiter und so philosophierten wir die ganze Nacht über das Unglück in der Welt und die allgemeine Umweltverseuchung. Deprimiert zogen wir uns darauf in unseren Bungalow zurück. Am nächsten Tag sollten wir Kontakt aufnehmen mit den Naturgeistem. Ich setzte mich auf einen Stein und war wirklich bereit mich auf Naturgeister einzulassen, ich sah jedoch keinen einzigen. Stattdessen fragte ich mich, warum ich diesen ganzen Zirkus hier mitmachte. Gleichzeitig wurde mir meine eigene Negativität bewußt. Weil ich immer alles von vornherein ablehnte, konnte ich mich auch gar nie richtig öffnen. Ich fühlte kein Licht und keine Erleuchtung, ich fühlte mich nur müde, zu müde um weiter zu kämpfen. ich war verwirrt und wollte nach Hause. Ich war so verwirrt, daß ich meinen Geburtstag einen Tag zu früh feierte. Ich ging weiter zur Uni und wollte eine intellektuelle werden, jedoch seit meinem Besuch in Findhorn hatte ich eine innere Stimme, die mir dauernd sagte, was ich tun sollte. Ich folgte ihr und fing an zu begreifen, daß das Leben auch Spaß machen kann, wenn man nicht gegen sich selbst kämpft, aber ich spürte in mir eine große Trauer und kam immer wieder in tiefe Depressionen.

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Schamanische Ekstase

Meine Freundin schickte mich in einen Rebirthing-Workshop. Meine Trauer war so groß, daß ich einfach nur geheilt werden wollte. Hätte ich vorher geahnt, was da passieren kann, wäre ich niemals dorthin gegangen. Es fing alles ganz harmlos an. Ich atmete und atmete und sollte immer heftiger und tiefer atmen. Mein Körper fing an zu kribbeln, als würden Millionen von Ameisen darin herumkrabbeln. Dann hob ich langsam vom Boden ab, zwischen mir und dem Boden befand sich ein dicker Feuerteppich, der mich zu tragen schien. Um mich herum erstrahlte alles in Blau. Ich trat aus meinem Körper aus und beobachtete die ganze Szene von oben. Ich erkannte die göttliche Kraft, fühlte mich damit verbunden und ein Glücksgefühl, wie ich es noch nie kennengelernt hatte, durchströmte meinen Körper. Ich erschrak darüber so heftig, daß ich sofort wieder in meinem Körper kam und dringend auf die Toilette mußte. Mir war sofort klar, daß dieses Erlebnis so schön war, daß ich es nie wieder erleben wollte. Deswegen blieb die Trauer. Die Kräfte zeigten mir eine Brücke zur Göttlichen Ekstase, und wie ich erst viel später erfuhr, war es ein Geschenk, welches nur sehr wenige Menschen erfahren dürfen.

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Die erste Heilung einer Schamanin

Ich hörte von einer Heilerin, die außergewöhnliche Kräfte besitzen sollte. Sie gab in einem kleinen Kreis von Leuten ihr Wissen weiter und lehrte uns, wie auch wir uns gegenseitig heilen konnten. Doch nur einer aus der Gruppe konnte von ihr eine Heilung bekommen. Ich wünschte mir so sehr von ihr geheilt zu werden, daß ich auch ausgewählt wurde. Allerdings war der Workshop damit für mich beendet. Die Heilerin setzte sich an mein Kopfende und ich wurde in eine Decke gepackt. Sie legte ihre Hände auf meine Stirn und sagte: "Ich sehe, daß du eine sehr starke Verletzung bekommen hast, als du zwei oder drei Jahre alt warst. Du stehst vor einer Tür und kommst nicht durch. Du weißt, daß dahinter die Liebe ist, aber du rennst nur immer wieder gegen diese Tür." Als sie diese Worte sprach, spürte ich ein Gefühl in meiner Magengegend, als wenn ein dicker Baumstamm mich gerammt hätte. Die Heilerin fing an zu singen und ich an zu weinen. Man legte mich in eine Ecke, und ich weinte zwei Tage lang. Sie sagte nur, ich müsse eine Therapie anfangen, denn es läge noch harte Arbeit vor mir.

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Auseinandersetzung mit einem Vulkan, einem Ort der Kraft

Ich suchte mir also einen Therapeuten, denn ich wollte durch die Tür. Aber ich suchte auch immer wieder den Kontakt mit der Natur. In mir war ganz viel Angst. Nachts wurde ich oft durch Alpträume geweckt. Eine dunkle Energie wollte durch mein Fenster herein. Die Angst bestimmte mein Leben und so versuchte ich Kontakt mit ihr aufzunehmen, um sie bewußt zu machen. Ich fuhr auf eine Insel, die nur aus einem Vulkan bestand. Man konnte sie nur mit einem relativ kleinem Boot erreichen. Der Vulkan war aktiv, man spürte jede Eruption, er spie, wütete und brannte. Das Wetter wurde schlecht und prompt waren wir, die Inselbewohner und ich, von der Außenwelt abgeschlossen. Panik brach in mir aus. Was, wenn ich plötzlich einen Arzt bräuchte. Der Boden schwankte unter meinen Füßen. Aber ich wollte nicht mehr wegrennen und so lief ich hinauf, nahm meinen Schlafsack mit, um am Rande des Vulkans zu übernachten. Verbots-Schilder übersah ich ganz einfach. Es war ein glorreiches Gefühl, vor mir der sprühende und speiende Vulkan, hinter mir eine Rutschbahn aus Asche, die direkt ins Meer führte. Ich saß ganz lange da, versunken im Anblick göttlicher Herrlichkeit und fühlte das Beben in meinem Körper. Bis zwei Spanier meinen Weg kreuzten und mich fragten, ob ich denn lebensmüde sei. Und nun sah ich auch die dunklen Wolken, die sich auftürmten und von Blitzen durchzuckt wurden. Wie auf Bestellung grollte der Donner über mich hinweg. "Sie müssen sofort mit uns nach unten, wenn ihnen ihr Leben noch etwas bedeutet", herrschte mich einer der Spanier an. Also gut, sollte ich eben noch nicht sterben, so rannten wir gemeinsam den Berg herunter. Es war inzwischen dunkel geworden, aber die beiden hatten eine Taschenlampe dabei und schützten mich vor dem einsetzenden Gewitter.

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Loslassen von Beziehungen

Wieder verbrachte ich ein Semester an der Uni, quälte mich durch Theorien, die die Welt erklärten. Immer noch suchte ich nach einer Antwort. Ich kaute alle Philosophen durch, beteiligte mich an einer intellektuellen Zeitschrift. Meine Beziehungen endeten alle in Katastrophen. Ich lebte in einer ungewollten Isolation. Ich mußte immer wieder alles loslassen. Immerhin gab ich dabei auch das Rauchen auf.

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Rückzug in den Wald

In der Philosophie stieß ich eines Tages endlich auf ein interessantes Buch: ‚Die Metamorphose der Frau.‘ Es ging um Schamanismus. Ich hatte keine Ahnung was Schamanismus bedeutet, aber das Thema zog mich magisch an. Selbst mein Professor war sehr interessiert daran, meine Meinung über das Buch zu hören. Da gerade Semesterferien waren, nahm ich es mit nach Norditalien. Ich hatte beschlossen, mich in der Nähe eines spirituellen Zentrums niederzulassen, um über Gruppenerfahrungen zu schreiben. Mein Zelt hatte ich zur Angstüberwindung mitten in den Wald gestellt. Ich wollte keine störenden Energien um mich haben. Die einzigen Nachbarn waren ein paar Schafe. Nur eine dunkle Energie tauchte immer wieder nachts auf und wollte in mein Zelt.

Während ich mich theoretisch mit dem Schamanimus auseinandersetzte, hatte sich im Centrum nebenan bereits ein Schamane niedergelassen. Neugierig nahm ich Kontakt auf und er lud mich ein, über sein Seminar zu schreiben. Hundert Menschen aus ganz Deutschland kamen angereist. Eine Schwitzhütte wurde gebaut, Trommelmusik erschütterte den Platz. Ich lernte, daß die Beziehung zwischen Mensch und Natur verlorengegangen war, und daß die innere Natur verbunden ist mit der äußeren Natur. "Jedes Wesen ist mit uns verbunden. Eins der wichtigsten Aspekte ist der Rückzug in die Natur, die Verbindung mit der Essenz des Lebens. Deshalb wurden wir auf diesen Rückzug vorbereitet", waren die Worte des Schamanen. Ich bemerkte zuerst Widerstand in mir. Ich hatte schon so viel Zeit in der Natur verbracht, aber nichts Außergewöhnliches war passiert. Trotzdem ließ ich mich auf diesen Rückzug, oder auch ‚Vision quest‘ ein. Wir wurden durch eine Meditation vorbereitet, die uns in die Kindheit zurückführte. Ich spürte nur wieder Trauer.

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Annahme des Kraftieres

Ich packe meinen Rucksack, wir liefen zwei Stunden zu einem entfernt gelegenen Wasserfall. Zielsicher ging ich auf einen Platz zu, der für mich wie bestellt war. Da stand ein Baum, der aussah wie Ganesha. Ganesha ist ein indischer Elefantengott, den ich als Talismann an meiner Kette trug. Er blieb mein Krafttier. Es wurde dunkel, ich setze mich hin und wartete. Wir ollten uns mit unserem wichtigsten Verlust in Verbindung setzen, mit dem größten Wunsch und einer Frage, auf die wir gerne einem Antwort haben wollten.

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Visionsreise. Der Traum am Wasserfall

Mein Verlust war fehlende Liebe und die panische Angst, jemand zu verlieren, den ich liebte. Und doch bestanden die letzten Jahre nur im Loslassen, in Verlusten von Menschen. Nach jedem Verlassen wurde ich in einen noch tieferen Schmerz -gestoßen, so daß mein Körper mit Krankheiten reagierte. Er wollte nicht mehr verletzt werden. Ich wollte geliebt werden und dennoch zerstörte ich auch alles gleichzeitig. Dann kam die Antwort. "Du lebst noch zu stark in deinen Emotionen. Du hast als Kind nie Anerkennung bekommen, deswegen kämpfst du immer noch um Erfolg und um Liebe. Du mußt jetzt nicht mehr kämpfen, du kannst alles loslassen, hab Vertrauen, du wirst anerkannt und du selbst bist die Liebe." "Wo ist meine Mutter?" wollte ich wissen, "wo ist sie, wenn sie tot ist? Und wo bin ich, wenn ich sterbe?" Tränen rannten über mein Gesicht. 'Ein starker Schmerz durchrüttelte meinen Körper. "Ich würde gerne erfahren, ob es richtig für mich ist, den Weg des Heilens zu gehen", wollte ich noch wissen, fiel aber in tiefem Schlaf bevor die Antwort kam. Gegen morgen wurde ich von drei schwedischen Anglern geweckt, die durch den Bach liefen. Ich hatte einen Traum. In diesem Traum begegnete ich einem Freund, dessen Gesicht ich nicht erkennen konnte. Er wollte zur Schwitzhütte oder Sauna und fragte mich, ob ich ihm den Weg erklären könne. Ich war fast fertig mit meiner Arbeit und bat ihn, auf mich zu warten, dann würde ich mit ihm gehen. Auf em Weg zur Schwitzhütte sagte er zu mir. Ich wäre dir dankbar, wenn du mir helfen würdest meinen Auftrag zu erfüllen." (Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte war, daß hier eine transpersonale Begegnung mit Surja, meinem späteren Lebenspartner stattfand.) Bei Sonnenaufgang packte ich meine Sachen zusammen, wir gingen zurück. Die Schwitzhütte war bereits vorbereitet, so daß wir gleich hineingehen konnten. Während des Rituals fühlte ich mich wieder allein und traurig. "Ich will mich nicht opfern, nur für die anderen da sein." Und Es antwortete: "Der spirituelle Weg ist ein Weg der Freude und du bist nicht allein." Wieder wurde ich von einem heftigen Weinkrampf geschüttelt. Ich sagte dann endgültig "ja" zu meinem Schutzgeist und gab meinen Widerstand auf.

Die erste Einweihung einer Schamanin.

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Die Taufe: Bahya, der See im Paradies, aus dem die Tiere trinken

Später am Abend als ein Ritual am Feuer stattfand, hörte ich, wie der Schamane leise meinen Namen aufrief. Wieso ich, dachte ich, ich habe hier doch eigentlich nichts zu suchen. Trotzdem kniete ich mich vor ihm hin. Er nahm meine Hände und strahlte mich an. "Du bist eine wirkliche Schönheit", sagte er und ich wurde verlegen bis hinter die Ohren. Schweiß brach mir aus allen Poren, mein dreckiges Hemd wurde mir bewußt und die Haare hatte ich auch schon länger nicht mehr gewaschen. Aber er sagte wieder. "Du bist eine wirkliche Schönheit. Dein neuer Name wird sein 'Bahya' das bedeutet: ein See im Paradies aus dem die Tiere trinken." Dabei reichte er mir eine Schüssel mit Milch und drückte Reis in meine Hand. Den Reis sollte ich ins Feuer werfen und dreimal meinen neuen Namen sagen. Dann reichte er mir eine Schüssel mit Honig. Ich steckte meinen Finger rein und schleckte ihn ab. Er nahm eine Schüssel mit Wasser und Erde und taufte mich. "Die Essenz deines Namens ist 'innere Schönheit'. Von nun an wird sich auch deine innere Schönheit entwickeln. Je öfter du deinen Namen benutzt, desto näher kommst du deiner inneren Essenz." Er küßte mich auf die Stirn. Ich zog mit meinem Zelt in den Wald und stellte fest, daß eine große Ameisenfamilie beschlossen hatte, mit mir zusammenzuleben. ich ging zu rneinem Lehrer, denn ich hatte ihn gebeten, daß er mein Lehrer sein soll, worauf er geantwortet hatte, dieses sei für ihn eine große Verantwortung, und er gab mir den Auftrag, mit den Ameisen Kontakt aufzunehmen. So ging ich wieder zu meinem Platz, zog einen Kreis und sagte: "Hier in diesem Kreis möchte ich gerne mein Zelt aufstellen. Ich bitte euch nun diesen Platz für ich frei zu machen:" Dann ging ich fort, damit sie sich einigen konnten. Gegen Abend stellt ich mein Zelt wieder auf und ich sah nie wieder eine Ameise darin. Ich dankte ihnen und wunderte mich überhaupt nicht.

Fast drei Monate blieb ich im Wald. Ich fing an zu akzeptieren, ich umarmte die Bäume und sprach mit den Tieren. In mir war nicht Vergangenheit und nicht Zukunft. Nichts war mehr wichtig. Trommelklänge durchschüttelten mich. Ich tanzte. Nur eins konnte ich nicht stillen, die Sehnsucht nach Shiva, der irgendwo existierte, die unstillbare Sehnsucht meine Zwillingsseele zu finden und die Sehnsucht mich mit meinem Schutzgeist zu vereinigen. Erwartungsvoll stand ich immer noch vor der Tür und konnte nicht durch. Eines morgens, als ich mein Zelt verließ, erstarrte ich bis in die tiefste Ader meines Herzens. Die Schafe, die angebunden in meiner umittelbaren Nähe standen und die ich jeden Morgen begrüßend streichelte, hingen mit aufgerissenen Bäuchen erdrosselt an den Bäumen. Ich ging entsetzt näher, konnte aber nicht glauben, was ich sah. Wölfe", ging es mir durch den Kopf ich verstand es einfach nicht. Es mußte ein fürchterlicher Todeskampf stattgefunden haben und ich hatte nichts gehört. ich verbrachte noch eine Nacht in meinem Zelt, bewaffnete mich aber mit einem Messer. Dann brach ich auf. Meine Zeit war beendet. Ich ging noch einmal an meinen Platz, um mit Sai Baba zu sprechen. "Warum wendet sich plötzlich mein Leben"? fragte ich ihn. "Weil du Liebe ausstrahlst. Du sendest und ziehst damit die Liebe und Zuneigung der anderen an. Sie können sich dir gar nicht entziehen, weil du dich hingibst. In der Hingabe liegt die Erfüllung. Hingabe an jeden Menschen, denn Ich bin in jedem Menschen. Wenn du verurteilst, verurteilst du auch mich. Solange du andere verletzt, verletzt du auch mich. Nur in der selbstlosen Hingabe und Liebe findest du die Erfüllung. Die Heilungen, die du hier in den letzten Wochen angenommen hast, haben eine große Wirkung auf dich. Du wirst jetzt viele Menschen anziehen und heilen, deshalb sei nicht traurig über Verluste. Es ist deine Aufgabe zu heilen, sei bereit jederzeit die Sachen zu packen. Du wirst jetzt auf eine große, lange Reise gehen. Ich schicke dir Hilfe, Liebe und Vertrauen. Du wirst einen Begleiter bekommen. Ihr werdet zusammen arbeiten und mir helfen. Ich liebe dich und lasse dich nicht allein."

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