Der Mars              Widder              1.Haus         Zurück zu
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Beim Mars haben wir es mit Energie und Trieben zu tun. Er ist der Planet, der es uns ermöglicht, uns in der Umwelt durchzusetzen und Fremdeinflüssen gegenüber Widerstand zu leisten. Ohne den Mars könnten wir unsere Individualität nicht nach aussen hin zum Ausdruck bringen. Wir würden dem Druck der Gesellschaft erliegen und uns nicht als eigenständige Wesen behaupten können. Wir erkennen hier auch den positiven Wert der Aggressivität, da wir ohne sie weder individuell ausdrucksfähig noch arbeitstüchtig wären.

Damit klingt eine wichtige zusätzliche Dimension des Planeten Mars an: Seine Fähigkeit zur Identifikation mit einem Ziel oder einer Aufgabe. Dabei können wir zwei Fälle unterscheiden:
Im ersten Falle liegt das Zentrum des Wollens in der Person selbst, in Form der Sonne. Ist diese stark entwickelt, dann sind die Ziele nicht nur auf die Durchsetzung des Egos gerichtet, sondern es handelt sich um Ziele, welche jeder freie Mensch auch verfolgen kann, ohne dass dadurch Konflikte entstehen müssen. Es herrschen also großzügige Ziele vor, welche nicht nur der Person selbst entsprechen, sondern auch der Gemeinschaft als Ganzes zugute kommen, weil diese nicht gegen andere gerichtet sind bzw. andere nicht ausschliessen. In einem solchen Fall kann der Mars ungestraft als verlängerter Arm oder Durchsetzungsmodus der Sonnenqualität funktionieren - In Form eines Selbstdurchsetzungsdranges, der den gesunden Wettbewerb nicht scheut und erst dann kompromisslos wird, wenn individuelle Freiheiten und die menschliche Würde durch das Kollektiv eingeschränkt werden. Dieser Fall entspricht jedoch einer sehr hohen Selbstverwirklichungsstufe und ist entsprechend selten. Deshalb herrscht meist die zweite Entsprechung vor.
Im zweiten Fall hat der Betreffende erleben müssen, dass er allein zu schwach ist, um die ihm wichtigen Ziele durchzusetzen. Aus Niederlagen hat er gelernt, dass es besser ist, sich mit andern zusammenzutun, einerseits, um gemeinsamen Zielen durch geeinte Kraft zum Durchbruch zu verhelfen und andererseits, um sich ebenfalls gemeinsam gegen äussere Widerstände durchzusetzen. Dies hat zur Bildung von Sippengemeinschaften und Staaten geführt.

Die rnarsische Energie wurde durch Zusammenlegung der Kräfte im aktiv-aggressiven Sinn der Produktion zugeführt und im defensiven Sinn der Verteidigung. Wir können sagen, dass in einem solchen Zusammenhang ein Teil der Sonnenqualität als gemeinsames Ziel nach aussen projiziert wurde, in Form eines Herrschers und Königs, der die gemeinsamen Anstrengungen leitete und unter seiner Obhut hatte. Solange das gemeinsame Ziel auch den individuellen Zielen entspricht, funktioniert ein solches System recht gut. Problematisch wird es erst dann, wenn der Herrscher Ziele verfolgt, welche nicht mit denen des Volkes parallel laufen. Dann kann nicht nur die Arbeit unbefriedigend werden, sondern eine ganze Nation kann ungewollt oder unbewusst in einen Krieg gerissen werden, den sie sich gar nicht wünscht. Dann ist es Zeit, dass jeder einzelne seine Projektion zurücknimmt und seine Marsenergien wieder selbst verwaltet. Je unselbständiger die Individuen jedoch sind, um so weniger werden sie es aber verstehen, den dafür richtigen Moment zu ergreifen. In seiner ursprünglichen Form dient der Mars ja dem biologischen Ueberle- ben. Wenn das Überleben jedoch kein eigentliches Problem mehr darstellt, werden für den Ausdruck der Marsenergie andere Kanäle gewählt. Dafür kommt jegliche Form von Identifikation mit einem Ziel, einer Aufgabe oder einer Überzeugung in Frage. Je nach seiner Stellung in Zeichen, Haus und Aspektgefüge kann er sich so auf ganz verschiedene Ziele beziehen. Er funktioniert dann in der gleichen Form, wie wenn nun das gewählte Ziel »das eigene Leben« wäre. In diesem Sinne bietet er auch eine gute Möglichkeit, um durch Arbeit und Einsatz über sich selbst hinaus zu wachsen. Wie förderlich die Identifikation für die Gemeinschaft ist, hängt jedoch davon ab, welche Art Ziel man sich zu eigen gemacht hat. Findet beispielsweise die Identifikation mit der Philosophie »Faschismus« oder »Terrorismus« statt, so läuft die Verfolgung dieses Zieles der Freiheit der anderen zuwider. Da der Mars als solcher keine ethische Rückkoppelung beinhaltet, muss diese von anderen Planeten kommen. Wir werden übrigens diese Fähigkeit zur Identifikation bei der höheren Oktave des Mars, dem Pluto, nochmals in gar markanterer Form kennenlernen.

Für die Aktivierung des Marsprinzips braucht es einen auslösenden Reiz, ein triebmässig begehrtes Ziel. Die Motivkonstellation wird durch die Stellung des Mars im Horoskop vorgegeben. Wie wir gesehen haben, kann es sich dabei so- wohl um Arbeits- als auch Verwirklichungsziele, aber auch um sexuelle oder geistige Ziele handeln. Ist ein entsprechender Reiz vorhanden, so kommt der motorische Apparat in Bewegung, und man steuert auf dieses Ziel zu. Der Mars verkörpert das spontane Vorandrängen, das sich sowohl in einem implusiven Verhalten, als auch in einer geistigen Initiative manifestieren kann. Ihm ent- sprechen alle Formen von Kampfbereitschaft, aber auch von Arbeitstüchtigkeit, da ihm alles zum Wettkampf werden kann. Damit hängen auch seine Qualitäten wie Mut, Tapferkeit, sowie entschlossener Einsatz und Stosskraft zusam- men.
Das Primäre beim Mars ist also die Mobilisierung der Angriffs- oder Verteidigungskräfte und damit die Ausschüttung von Adrenalin ins Blut. Ob dies zum Angriff, zum Festhalten der Position, zum Ausweichen oder zur Flucht führt, hängt vom subjektiven Erlebnis der Gefährlichkeit der Situation ab und somit sehr stark von der Marsstellung im Horoskop. Der Flucht- und Ausweichreflex wird viel schneller einsetzen, wenn der Mars beispielsweise eine Konjunktion oder einen Spannungsaspekt zum Neptun aufweist, oder sich im zwölften Haus bzw. im Fischezeichen befindet. Solche Stellungen bewirken in den mei- sten Fällen eine Angst vor offenen Konfrontationen.

Wir haben schon gesagt, wie wichtig die Rückkoppelung des Mars zur Sonne ist, weil erst diese ihm verbindliche Ziele und Ausrichtung vorgeben kann. Dies ist auch der wesentliche Unterschied zwischen Mars und Sonne. Letztere stellt die für die Persönlichkeit verbindlichen Ziele und die Selbstzentriertheit dar. Der Mars ist hingegen auf unmittelbare Reizziele ausgerichtet, welche einer Lenkung bedürfen.

Wie bei der Venus haben wir es beim Mars mit einem Selektionsprinzip zu tun. Bei diesem handelt es sich jedoch um eine aktive Selektion, während bei der Venus die passive Selektion ausschlaggebend ist. Während die Venus das verbindende Element zwischen Verschiedenartigem darstellt, beinhaltet der Mars ein aktives und trennendes Element. Im marsischen Ansturm ist der Mensch vorwiegend allein und höchstens durch gemeinsame Aktivitäten mit andern verbunden. Diese Verbundenheit hört jedoch auf, sobald das verbindende Ziel erreicht ist. Dies erklärt, warum marsische Gemeinschaften nur bestehen können, solange es etwas zu erobern gibt, und auseinanderfallen, wenn Ruhe einkehrt. Der Mars entspricht auch dem männlichen Geschlecht mit seiner Eroberungslust. Bei der Frau ergibt ein stark gestellter Mars daher einen männlichen Einschlag und Ausdruckstendenzen, die gewöhnlich mit dem männlichen Geschlecht in Zusammenhang gebracht werden.
Entscheidungen und insbesondere ihre Umsetzung in die Tat sind ebenfalls eine marsische Betätigung. Nicht nur »scheiden wir« dabei von zwei Alternativen die eine aus, sondern wir entscheiden das Schwert, um den Knoten zu durchschneiden. Der Knoten mochte sich ergeben haben aus übertriebener Kompromissbereitschaft und mangelnder Klarheit - negative Züge der Venus, insbesondere im Zusammenhang mit dem Waagezeichen.