WAAGE        Die Venus  

7.Haus

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Die Waage steht unter der Herrschaft der Yang-Entsprechung der Venus. In diesem Sinne ist sie die extravertierte Schwester des Stier-Zeichens. Dass die beiden außer der Herrschaft der Venus wenig Gemeinsamkeit haben, zeigt der Quincunx-Aspekt zwischen den beiden Zeichen. Sie gehören beide einem unterschiedlichen Element, einem anderen Kreuz und einer verschiedenen Polarität an. Im Gegensatz zum Stier will sich die Waage nichts »einverleiben«, sie sucht nicht die Verschmelzung, sondern viel eher, zwischen zwei Ganzheiten eine Beziehung und eine Harmonie zu schaffen. Bezeichnend ist ihre Stellung am zodiakalen Deszendent, wo sie das zodiakale Prinzip des Aszendenten, den Widder, anzieht, sich in dem Sinne auf das Du »bezieht«, im Gegensatz zu den Zeichen Steinbock und Krebs am zodiakalen MC und IC, wo man »erzogen« wird oder »erzieht«. Ihre Stärke liegt also darin, dass Du anzuziehen und sich auf es zu beziehen.

Die Waage bringt unterschiedliche Dinge in ein »Verhältnis«, ähnlich wie ihr »Verhältnisse« oder Beziehungen wichtig sind. Sie geht in ihrer Anpassung an die äussere Realität auch von den vorhandenen Verhältnissen aus und richtet ihre Aufmerksamkeit sehr stark auf das »Verhalten« und damit die Manieren und Höflichkeitsformen. Das Waage-Zeichen steht auch symbolisch für den weiblichen Charme und die Fähigkeit, die Initiative zu ergreifen, ohne dass der andere dies merkt und sich dessen bewusst wird. Charme und Eleganz prägen also dieses extravertierte, umweltsbezogene Zeichen.

Im besten Fall stellt die Waage eine perfekte Harmonie dar zwischen dem Ich und dein Du oder der Umgebung. Dies drückt sich beispielsweise über den sich darbietenden Künstler aus. Er ist bezogen auf sein Publikum und doch sich selbst. Er nimmt gleichzeitig beides wahr; einerseits das Publikum, das zuschaut oder zuhört und andererseits sich selbst als Darbietenden. Die beiden Wahrnehmungen sind nicht voneinander getrennt. Die Eleganz und Leichtigkeit besteht eben darin, dass er nicht das eine zu Ungunsten des anderen überbetont. Würde er sich ausschließlich auf das Publikum konzentrieren, so würde die Eleganz dahinfallen, indem Angst aufkommen könnte, es nicht gut genug zu machen und so von den anderen abgelehnt zu werden. Würde er sich hingegen nur auf sich selbst als Darbietenden konzentrieren, so dürfte es ihm kaum gelinger4 die anderen zum Mitschwingen anzuregen, indem seine Darbietung an den Bedürfnissen des Publikums vorbeigehen könnte. So bringt er das schwierige Kunststück zustande, ein Gleichgewicht zwischen seinen eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen der anderen herzustellen.

Das gleiche geschieht in einer Beziehung: das zu wollen, was das Du auch will, muss nicht immer ein Kompromiss sein und den eigenen Bedürfnissen zuwiderlaufen. Wenn die venusische Selektion als sicheres Instrument gebraucht wird, dann wird ja schon im Du nur das ausgesucht, was zu einem passt. In diesem Falle sind kaum Kompromisse notwendig. So sind Ich-Verlust und übertriebene Kompromissbereitschaft nicht eigentliche Waage-Qualitäten, sondern Pervertierungen des Waage-Prinzips. Die diesem Zeichen sonst innewohnende Eleganz geht dabei verloren.

Die Waage stellt die zweite Stufe einer Auseinandersetzung mit dem Du dar. Die erste Stufe fanden wir im Jungfrau-Zeichen in Form der Hilfeleistung. Für das Ich war dabei das Risiko noch gering: Wenn jemand helfen kann, so kann er sich gegenüber dem, dem geholfen wird, überlegen fühlen. Er muss sein Ich also noch nicht in weitgehendem Masse einbringen, muss sich selbst kaum in Frage stellen. Im Zeichen der Waage haben wir jedoch die Beziehung mit dem Du auf gleicher Stufe. Das Ich geht mit dem Du dabei einen Vertrag ein, mit gleichen Rechten auf beiden Seiten. Damit ist jedoch noch nicht die für das Ich bedrohlichste Stufe erreicht. Jene finden wir im Skorpion-Zeichen, wo das Ich mit dem Du, nicht nur eine geistig-mentale Verbindung eingeht sondern auch eine körperliche Verschmelzung, welche die Möglichkeit der Verwandlung in sich einschließt. Verschmelzung und Verwandlung muss jedoch von Seiten des Ichs als bedrohlich erlebt werden, denn es ist dabei unmöglich, im voraus zu wissen, was von der eigenen Art beibehalten werden kann und was aufgegeben werden muss.

Die Voraussetzungen dafür, dass diese Verschmelzung mit der richtigen Person, die auch zu einem passt, stattfinden soll, werden im Waage-Zeichen aufgrund des venusischen Selektionsprinzips geschaffen. Darum haben wir in der Waage auch die Institution der Ehe und der Verträge, welche dafür sorgen sollen, dass Menschen mit sich ergänzenden Bedürfnissen zusammenkommen, um gemeinsam etwas zu erschaffen, indem sie ihre jeweilige Substanz und ihre Ressourcen einbringen. Wenn dies auf die richtige Art erfolgt, dann werden dabei beide verwandelt und aus der Zusammenlegung der Mittel oder Werte beider entsteht etwas Neues; wir könnten auch sagen, es wird ein Mehrwert erzeugt. Das elementarste Beispiel dazu erkennen wir in Form der Zeugung. Aber das Prinzip erstreckt sich weiter auf alle Bereiche, wo verschiedene Menschen ihr Potential einbringen, um zusammen gemeinschaftlich etwas zu leisten.

Dafür, dass dieser Prozess richtig abläuft, sorgt eben die Waage-Entsprechung der Venus. So bringt sie auch Menschen zusammen, welche aneinander Gefallen finden und erzeugt zwischen Ihnen eine Anziehung, die Liebe und Erotik einschließt. Diese haben noch nichts mit eigentlicher Sexualität zu tun, sind jedoch die Vorbereitung für die, im Sinne einer Verwandlung weiterreichende Sexualität.