| Steinbock |
Das Steinbockzeichen als Yin-Entsprechung des Saturn
Herrscher: Satum
Element: Erde
Kreuz: Kardinal
Polarität: Yin
Der Steinbock ist wohl das aktivste Yin-Zeichen, das wir kennen. Es ist nach den gängigen Kriterien darüber, was wir unter Aktivität verstehen, sicher aktiver als das Yang-betonte Waagezeichen. Daraus können wir ersehen, dass die Unterteilung in Yin- und Yang-Zeichen nicht geeignet ist, um zwischen passiv und aktiv zu unterscheiden. Das Yin-Element weist lediglich darauf hin, dass die Motivation stärker von innen als von außen kommt.
Dies können wir am Steinbockzeichen in dem Sinn beobachten, als dieser während eines großen Teils seines Lebens damit beschäftigt ist, die Erwartungen seiner Eltern und der sozialen Umwelt, die ihn als Kind umgab, zu erfüllen. So hat der Steinbockbetonte in sehr frühen Jahren Entscheidungen darüber gefällt, was es im Leben zu erreichen gilt, und er wird mit diesen vergangenen Motivationen beschäftigt sein, bis er deren Anforderungen erfüllt hat. Dies hindert ihn allerdings nicht daran, sein Augenmerk sehr stark auf die äußere Wirklichkeit zu richten um zu erkennen, wie er seine vorgefassten Ziele am besten erreichen kann. Dabei passt er sich äußerlich an, um Kräfte zu sparen und keinen Anstoß zu erregen.
Im Laufe seines Lebens wird er auch immer wieder mit Autoritätsfiguren in Berührung kommen, die ihn entweder an elterliche Figuren erinnern, oder aber jene Autorität verkörpern, die er bei seinen Eltern vermisste. Da er sich sein Weltbild jedoch schon sehr früh gemacht hat, wird er diese Vorbilder gesell- schaftlicher Macht sehr genau unter die Lupe nehmen, um zu prüfen, ob er sie in seinem Innersten wirklich als die perfekte Autorität anerkennen kann, die er insgeheim immer wieder sucht. Meist werden diese unter seinem kritischen Auge dann doch nicht das Perfektionsideal verkörpern, das er in seinem Innersten sucht, sodass er immer wieder dazu angespornt wird, sich weiter auf die Suche zu begeben - bis er realisiert, dass die Vollkommenheit, die er anstrebt, nur durch Arbeit an sich selbst, sowie Arbeit in der Außenwelt zu finden ist. An diesem Punkt setzt die Umkehr ein: er beginnt Verantwortung für sich zu übernehmen und verzichtet immer mehr darauf, seine Vorbilder für die Nicht- Erfüllung seiner Erwartungen verantwortlich zu machen. Schließlich waren seine Erwartungen auch nicht seine ureigensten, sondern diejenigen seiner Eltern, bzw. einer Instanz, die sich unter elterlichem und sozialem Druck in seiner Psyche herausgebildet hatte.
Im Moment, wo er erkennt, dass die gesuchte Wahrheit nur durch ihn selbst verkörpert werden kann, beginnt er, seine ureigensten Motivationen zu hinter- fragen. Dann ist er auf dem Weg zu eigener Verwirklichung, und er überbrückt die Schwelle der saturnischen Festlegung an die Materie zugunsten einer Ausrichtung auf seine eigene Individualität. Er bahnt damit den Übergang vom Steinbock- zum Wassermannzeichen an; Konstellationen, weiche gemäß der Tradition beide der Herrschaft des Saturn unterstellt sind.
Dies ist für den Steinbockbetonten jedoch die höchste Verwirklichungsstufe und sie kommt entsprechend selten vor. Zuvor werden ihn seine Integration in die Gesellschaft und die Bestätigung seines Selbstwertes durch Anerkennung für seine Leistungen derart in Anspruch nehmen, dass sein Blick für individuelle Verwirklichung wenig offen sein wird. Er wird seine Aufmerksamkeit eher dem Erlangen von gesellschaftlicher Macht und Ansehen widmen und dabei viel Persönliches zurückstellen, denn ein innerer Zensor sagt ihm, dass Leistung, Anerkennung und Pflichterfüllung wichtiger sind, als Spaß und unbe-kümmerte Freude am Geschehen.
So werden wir den Steinbockbetonten meist als pflichtbewussten und autoritätsgläubigen Menschen kennenlernen, dessen Wahrnehmung der Wirklichkeit vor allem auf Dinge ausgerichtet ist, die die Gesellschaft ebenfalls als wichtig erachtet. In diesem Sinne bemüht er sich schon früh um Effizienz und darum, die Gesetze des gesellschaftlichen Machtspiels zu beherrschen. Dadurch, dass er sich äußerlich anpaßt, gleichzeitig jedoch im Persönlichen Distanz wahrt, kann er die Kontrolle über die Situation wahren. Der Gedanke, von andern kontrolliert zu werden, ist ihm nämlich unerträglich. Um dies zu vermeiden, wird er lieber durch Disziplin seine Schwächen bekämpfen, um möglichst wenig Anlass zu Abhängigkeit zu geben.
Gelingt es ihm, sich zu kontrollieren, so kann er auch die Außenwelt schritt- weise immer mehr unter seine Kontrolle bringen. Damit kann er sich von seiner ursprünglichen Autoritätsgläubigkeit selbst zu einer Autoritätsposition herauf- arbeiten. Zunächst vom elterlichen Prinzip abhängig, wird er als Person selbst zur Verkörperung elterlicher Autorität. Dies wird dem Steinbockbetonten meist etwas Strenges und Ernstes verleihen. Er hat Mühe, aus spontanem Antrieb et- was zu gemessen, weil er von sich fordert, dass das, was er genießt auch von der Gesellschaft als erstrebenswert angesehen wird. So ist es für ihn schwierig, die Grenze zu ziehen zwischen dem, was ihm als persönlich angenehm und erstrebenswert erscheint, und jenem, was offensichtlich nützlich und von öffentlichem Interesse ist. Er wird viele Dinge, die ihm persönlich Spaß machen, unter dem Vorwand tun, dass sie getan werden müssen - sei dies nun aus Gründen der Pflicht, der Gerechtigkeit oder anderer überpersönlicher Ziele. Es fällt ihm schwer, ganz einfach zu sagen, »ich will«, oder »ich wünsche mir« ohne dies auch gleich als allgemein gültiges Ziel begründen zu müssen.
Diese Züge machen den Steinbockbetonten sehr geeignet für das Erklimmen der Karriereleiter. Es fällt ihm nämlich leicht, unmittelbare persönliche Bedürfnisse zugunsten längerfristiger Ziele zurückzustellen. Allerdings entspricht diese Stufe wie schon gesagt, nicht der höchsten Verwirklichung des Steinbocks. Jene ist erst dann erreicht, wenn er die Bedürfnisse seines Egos nach Macht und Kontrolle befriedigen konnte, sodass seine Energie frei wird für überpersönliche Ziele. In diesem Moment muss dann kein Konflikt mehr vorhanden sein, zwischen dem, was er sich persönlich als Individuum wünscht, und dem, was für die Gesellschaft oder die andern um ihn herum wünschenswert ist. An diesem Punkt fällt auch die Autoritätsgläubigkeit dahin, weil er selbst zur Autorität geworden ist. Diese Entwicklung wird dem Steinbockbetonten jedoch nicht geschenkt, sondern er kann sie sich nur mit harter Arbeit erringen. Wollte er eine Abkürzung einschlagen, und nicht Punkt für Punkt Pflichten - die er sich letztlich selbst setzt, welche jedoch auch durch die Forderun- gen seiner Umgebung zum Ausdruck kommen - erfüllen, so würden ihn Schuldgefühle befallen, welche seine Stellung bald untergraben würden. Auch wenn dabei die Herausforderung von außen erlebt wird, so wäre für einen außenstehenden Beobachter leicht festzustellen, dass der Betreffende seiner weiteren Entwicklung in erster Linie selbst im Wege steht.
Die Analogie zwischen Saturn und dem Steinbockzeichen ist augenfällig. Beide rufen nach Disziplin und Selbstbeherrschung, oder, falls die Verantwortung nicht selbst übernommen wird, nach Disziplinierung durch Autoritätsper- sonen. Das Steinbockzeichen ist jedoch im Vergleich zum Saturn - insbesondere in seinen harten Manifestationen über Aspekte und Häuserstellungen als milde zu bezeichnen. Beiden gemeinsam bleibt die Aufforderung, durch unermüdliche Arbeit an sich selbst und in der Außenwelt über sich hinauszuwachsen.