Sind Gefühle evolutionsbiologisch vorprogrammiert?
von Advaita Maria Bach
Höre ich diese Frage, sagt sofort etwas in mir:"Klar! Geht es um Schmerz, Gefahr, Hunger oder Durst, also um die Urimpulse, dann schüttet mein Körper Adrenalin aus, läßt mich zur Speise greifen, trinken, genau wie beim Tier!"
Hier geht es aber hauptsächlich um das Paarungsverhalten des Menschen. Kennen Tiere Eifersucht?? Klar, es gibt Rivalitätsverhalten bei Männchen - bei Hirschen und Affen. Der Rivale wird auf seinen Platz verwiesen, aber ist ein Mord aus Eifersucht bei Tieren denkbar? Habe ich noch nie gehört. Bei den Tieren gibt es Monogamie, Polygamie, lebenslange Treue zu einem Gefährten, aber auch völlige Gleichgültigkeit des Vaters nach der Paarung, beziehungsweise Befruchtung. Bei gewissen Insektenarten wird das Männchen gefressen nach der Paarung. Es gibt homosexuelle Schwäne.
Und es wurde auch schon die Frage von Wissenschaftlern aufgeworfen, warum sich bei vielen Tierarten, einigen wenigen Pflanzenarten die Zweigeschlechtlichkeit überhaupt entwickelt hat, die Urfrage wurde aufgeworfen: warum gibt es Sex überhaupt? Die Antwort in jenem Artikel war: zur Arterhaltung nicht unbedingt nötig - aber vielleicht für die Höherentwicklung zum komplizierten menschlichen Wesen, vielleicht für Höherentwicklung überhaupt.
Der Mensch ist ein Wesen, das eine Brücke darstellt zwischen Natur und Kultur, im ewigen Zwiespalt der biologischen Impulse und der ethischen Anforderungen seiner jeweiligen Kultur.
Spätestens seit Desmond Morris wissen wir, daß unser Verhalten weitgehend von der Natur der Primaten bestimmt ist - mehr als die meisten Menschen angenommen hatten. Vieles im sozialen Verhalten der Menschen wurde kulturell definiert vor diesem Wissen.
Evolution ist definiert als eine Selektion der überlebensfähigsten Merkmale in langsamen Schritten, eine langsame Entwicklung. Was überlebensfähig macht und was nicht, hängt natürlich auch immer ab von der jeweiligen Umgebung - das erklärt die Artenvielfalt als Antwort auf die vielen Biotope, die es gibt.
Überlebensfähig in der Natur ist das Wesen, das seine Gene so weit wie möglich streut, um den Gen-Pool zu erweitern - bestimmt keine Aufforderung zur Monogamie.
Überlebensfähig in einer bestimmten Kultur ist das Mitglied, das eine große Anpassungsleistung bringt, je nachdem, wie rigide diese Regeln sind. Die Frage ist, ob die Traditionen in einer Kultur nicht auch auf die Gene eines Menschen wirken müßten, sei es die Monogamie oder die Polygamie, gibt es diese Tradition nur lang genug, daß sie Zeit hat, in das genetische Erbe übernommen zu werden. Immerhin gibt es heute noch Kulturen, in denen zumindest die Frau nach einem Seitensprung geächtigt oder sogar gesteinigt wird. Trotzdem kommt es immer wieder vor.
Schaue ich in mein eigenes Leben, so lebten mir meine Eltern Monogamie vor bis in den Tod eines Partners, des Vaters in diesem Fall. Meine Mutter nahm nie mehr einen Mann, sie paarte sich nie mehr. Allerdings lebten sie mir nicht vor, daß dieses Verhalten glücklich macht - in häufig auch körperlichen Auseinandersetzungen erzeugten sie bei mir und meiner Schwester das Gefühl, daß dieses unerschütterliche Zusammenbleiben trotz aller Konflikte eher abschreckend ist, obwohl sie uns auch Romantik vorlebten. Meine Schlußfolgerung war eher, daß Romantik eine gewalttätige Kehrseite hat, das heißt, daß der Preis sehr hoch ist, vielleicht zu hoch.
Später in meinem Leben, meistens kurz nach einer Trennung, reagierte ich auf küssende Pärchen, im Film oder auf der Straße, oft mit dem Kommentar:"Alles nur Hormone!" Nach einer Desillusionierung hehrer Liebesträume erschien mir das gesamte Paarungsverhalten der Menschen letzlich einfach von der Biologie gesteuert einschließlich aller Lustgefühle, die damit einhergehen. Liebesgedichte und die Schwärmerei einer frischverliebten Freundin erschienen mir nur als Projektion auf ein Geschehen, daß zwanghaft stattfindet, ein Diktat der Natur, in das auch ich immer wieder hineingelockt werde durch meine Gene, gewisse Reizstoffe im Achselschweiß des Mannes und den sexuellen Drang meines eigenen Körpers - gegen mein besseres Wissen.
Obwohl ich also im Gegensatz zu meinen Eltern meine Gene mehr streute (drei Väter, vier Kinder), vielleicht als unterbewußte Reaktion auf die unglücksverheißende Monogamie meiner Eltern, fand ich auf dem biologischen Weg nicht die Antwort für mich. Heute kann ich sagen, ich habe mehrere Formen der Paarung gelebt: jeweils mit einem Partner, mit zwei Männern (wenn auch nur kurz), mit Lebensgefährten, oder einfach kurzlebigere Formen der Paarung, Affairen - habe ich die Antwort für innere Stabilität auf einer ganz anderen Ebene, nämlich der psychischen und spirituellen - gefunden: die Verwurzelung in mir selbst ist A und O von Liebesfähigkeit überhaupt. Aber das ist für die Evolution uninteressant -oder? Welches Ziel hat Evolution überhaupt? Diese Frage ist, wie so viele, wissenschaftlich nicht beantwortet.
Meine Schwester hat gar keine Kinder bekommen und widmet ihr Leben ausschließlich dem Beruf - vielleicht auch eine unterbewußte Reaktion. Für die Evolution nicht so wichtig - oder doch?
Mein jüngster Sohn, der sich von mir bestimmt nicht die Monogamie abgeschaut hat, ist immer wieder verstrickt in lange Diskussionen mit seiner Liebsten über absolute Treue, Öffnung der Beziehung ja oder nein, aber es ist deutlich zu sehen, daß es viel mit Kinheitskonditionierungen zu tun hat. Seine Süße hat halt gelernt, daß es die Frau entwertet, wenn der Mann fremdgeht. Er hat das nicht gelernt, trotzdem ist er eifersüchtig.
Ein Freund von mir ist treu und für die Monogamie, obwohl er selbst weiß, daß er es aufgrund seiner Kindheitsgeschichte auch deshalb tut, um emotionale Geborgenheit zu erhalten - die fehlte ihm, als er klein war.
Dann kenne ich meinen ältesten Sohn, der mich schon zur Großmutter gemacht hat und einen ehemaligen Mitarbeiter, beide mit einer Frau glücklich, wie es sich gehört, allerdings auch beide erst vier Jahre.
Wie werden die Enkel sich verhalten, was hat das Verhalten der Eltern damit zu tun? Was hat das Ganze mit Biologie zu tun? Ab wann verankert sich ein bestimmtes soziales Verhalten genetisch?
Allein, daß wir diese Frage stellen können, zeigt, daß die Antwort auf keinen Fall eindimensional biologisch zu beantworten ist. Oder der Bogen ist zeitlich so weit gespannt, daß ein Individuum die Antwort nicht finden kann?
Menschliches Verhalten ist so ungeheuer verschieden, daß die Antwort schwerfällt.
Betrachten wir uns einmal die Gesetze der Natur, auf die sich Biologen und andere Evolutionswissenschaftler geeinigt haben:
1) Sei der Beste, der Du sein kannst!
Was haben wir denn da? Die Maxime der Leistungsgesellschaft.
Dieser Grundsatz wurde allerdings auch von Faschisten zur Begründung ihrer menschenverachtenden Praktiken zitiert: Die natürliche Auslese! Vom Völkermord bis zur Euthanasie, der Theorie von der Herrenrasse und dem Recht des Stärkeren galt dieser Grundsatz als Begründung! Obwohl es das alles in der Natur nicht gibt.
Ein ganz anderes Beispiel: In der Gruppenarbeit gibt es eine Struktur, den "Dschungeltanz", bei der jeder Mann vor jeder Frau tanzt und umgekehrt - vorgestellt am Vorabend eines Stammeskrieges. Diese Struktur leite ich ein mit den Worten: "Du willst herausfinden, wer der stärkste Krieger ist, um zu wissen, von wem du schwanger werden willst, falls die Männer aus dem Krieg nicht zurückkehren!"
Ein einziges Mal nur in all den Jahren sagte eine Frau:"Ich will aber nicht den Stärksten!" Sonst haben alle Männer und Frauen dieses Postulat immer akzeptiert, auch wenn es sehr spielerisch gemeint war.
2.) Du kannst nie zurückgehen
Die Evolution schreitet immer vorwärts, wie die Zeit oder die Geschichte. Wie schmerzlich hat das schon jeder erfahren, der eine verlorene Beziehung kitten wollte. Es kann gelingen, wenn die Partner auf einer anderen Ebene vorwärtsgehen. Das ist die Konfrontation mit dem Thema Vergänglichkeit überhaupt.
Wir Menschen können das allerdings im Geiste, im Vorstellungsvermögen, in der Erinnerung - aber nie wirklich mit dem Körper.
3.) Du kannst nie vorbereitet sein
Verrückt, aber wahr. Egal, auf was wir uns vorbereiten, es kann immer etwas eintreten, daß diese Vorbereitung null und nichtig macht.
Wenn das ein Gesetz der Evolution ist, dann heißt das auch, daß, ganz gleichgültig, welche Stufe du erreicht hast, auf der nächsten Stufe wieder relativiert werden kann, was auf der vorigen erreicht wurde!
Übertragen auf das Paarungsverhalten:Nehmen wir an, eine Frau, die gelernt hat, daß die Monogamie die ethisch höchste Form der Vereinigung von Mann und Frau ist, verliebt sich unsterblich in einen reichen Moslem, zu dessen Werten es gehört, mindestens vier Frauen zu haben! Dilemma perfekt, wir alle kennen solche und ähnliche Beispiele aus unserem eigenen Leben oder dem anderer.
4.) Veränderung kann gut sein
Aber ja doch, jeder weiß das, obwohl sich viele Menschen davor fürchten und es auch viele Kräfte in uns gibt, die dagegen sind.
Jeder, der gerade aus einer neurotischen Bezoehung kommt oder an einer an Routine erstickten Ehe leidet, wird dieses Gesetz befürworten. Aber in den Menschen gibt im Allgemeinen ein Trägheitsgesetz, das zunächst einmal niemanden jubeln läßt, wenn er dieses hört.
Heißt das aber, wir sollten andauernd die Partner wechseln??
Oder ist es ein Hinweis darauf, daß sich ja innerhalb einer Beziehung die Dinge ständig ändern?
Wahrscheinlich oder vielleicht - beides.
Es heißt ja auch:..kann gut sein.
5.) Die Dinge verändern sich immer
ein Hinweis auf die permanente Veränderung alles Lebendigen -
das heißt, auch wenn wir im Verlauf eines Lebens alle möglichen Formen
des Zusammenlebens ausprobieren, befinden wir uns im Einklang mit den Gesetzen der
Evolution - vielleicht gibt es unter anderem deshalb bis heute keine einzig mögliche,
verbindliche Form des Zusammenlebens von Mann und Frau!
6.) Du kannst immer etwas Neues ausprobieren
Hallo, Papst Paul, sieh mal, das ist gottgewollt, insoweit Gott die Natur ist!
Welche Freiheit. Wie spielerisch doch die Evolution ist, obwohl sie zum Beispiel selten die Artengrenze überspringt! Probieren kannst Du.
An dieser Stelle kommt mir die Frage, ob es neben dem berühmten Artensterben auch immer neue Species gibt. Wir wissen allerdings auch, daß die Evolution des Menschen keineswegs abgeschlossen ist.
Wir verhüten heute das Entstehen von Nachkommen mit der Pille, dem Kondom
und anderen Verhütungsmitteln, es gibt Cybersex, Telefonsex, alles neu - alles Methoden, die zumindest auf der genetischen Ebene die Entwicklung an der Stelle aufhalten, an der all das praktiziert wird.
Grundsätzlich aber ist es einfach ein Grundsatz für Abenteuerlustige -
auch was die Form des sexuellen Zusammenlebens betrifft. Sagen wir, als eingefleischter
Anhänger des Papstes kann ich auch noch die Polygamie erlernen, wenn ich die tradierten
Werte hinter mir lasse. Die Evolution sagt ja dazu.
7.) Unerwartete Dinge geschehen
Weiß Gott, das tun sie! Eiszeiten, Meteoreinschäge, Überfälle des
Nachbarstamms,Vökerwanderungen, Veränderungen der Geschlechterolle. Schrumpfen der
Resourcen, Erdbeben, Stürme...
8.) Es geht immer um Nachkommen
Oh je! Sollte der Papst doch recht haben? Da regt sich das erste mal Widerspruch in mir. Die menschliche Sexualität funktioniert das ganze Jahr über, es gibt für Menschen keine Zeit, in der sie nicht Sex haben könnten. Bei Tieren ist das mehr beschränkt auf die Paarungszeit. Diese Tatsache allein animierte mich zu dem Gedanken, daß die menschliche Sexualität sich nicht nur um Fortpflanzung drehen kann! Allerdings weiß man heute auch von manchen Menschenaffen, daß sie Sex in der Gruppe praktizieren, um den Frieden zu erhalten!
Im erweiterten Sinne kann das natürlich auch stimmen, haben doch Evolutionswissenschaftler bei einer statistischen Untersuchung von Kontaktanzeigen in einer amerikanischen Großstadt festgestellt, daß im übertragenen Sinne mit Fähigkeiten und Eigenschaften geworben wird, die gut sind, um Nachkommen zu erzeugen und aufzuziehen, auch wenn dies überhaupt nicht die Absicht des Kontaktsuchenden ist!
Bei einer Untersuchung zu der Frage der Wechseljahre bei der Frau scheint zunächst einmal obiges Gesetz nicht zu stimmen. Wilde tiere kennen das Aufhören der Fruchtbarkeit nicht, der menschliche Mann auch nicht.
Aber man kam dann zu einem erstaunlichen Schluß: In früheren Zeiten, als es noch nicht die Schrift gab, oder in Kulturen, die keine Schrift kennen, um Wissen weiter zu geben, war es oft wichtig, daß die Alten so lange wie möglich lebten, um zum Beispiel das Wissen weiterzugeben, wie eine relativ seltene vor langer Zeit zuletzt erlebte Naturkatastrophe überlebt werden kann. Eine Geburt schwächt eine ältere Frau mehr als eine Junge, sie wird ihr Wissen länger weiter geben können ohne eine solche Strapaze. Indirekt geht doch wieder um die Nachkommen, denn auf diese Weise kann die Alte die Jüngeren schützen, wenn eine solche Katastrophe wieder kommt.
Wie schlau die Evolution ist!
Vielleicht geht es sogar bei den menschlichen Erfindungen zur Geburtenverhütung um den Erhalt der Menschheit, weil wir alle inzwischen, wissen, daß die Menschheit bei unkontrollierter Vermehrung untergehen wird, einfach, weiles keine Resourcen meht gibt!
Wir wissen auch, daß die Qualität männlicher Spermienzurückgeht.
Obwohl man das allgemein auf Umweltgifte schiebt, kann diese Tatsache ein weises
Verhütungsmittel der Evolution sein?
9.) Veränderung kann schlecht sein
Wie wahr, das hat jeder schon mal erlebt. Auch und gerade im menschlichen Bezeihungsfeld - wer ist da nicht schon vom Regen in die Traufe gekommen?
Auch die Traditionalisten bekommen recht von der Evolution! Sie kümmert sich nicht um Meinungen, sie ist widersprüchlich, wie die menschliche Natur!
Genieße ich eben noch die emotionale Geborgenheit in der Monogamie, leider aber gelegentlich unter meinem Freiheitsdrang, muß es mir bei einem Schwenk auf die freie Wildbahn nicht unbedingt besser gehen. Vielleicht leide ich dann unter der Unverbindlichkeit der wechselnden Bezeihungen, nachdem der Reiz des Neuen vergangen ist.
Der Evolution diene ich in jedem Fall!
10.) Nimm Gelegenheiten wahr
Und schon sitzen die Traditionalisten wieder in der Patsche!
11.) Lebe heute
Das kennen wir doch, dieses Motto!Leben ist immer jetzt. Es ist Teil der
Evolution, wenn ich mich heute als lebendiges Wesen für ein anderes Verhalten als meine
Vorfahren entscheide!
12.) Spezialisieren, spezialisieren, spezialisieren
So sind höhere Lebewesen entstanden! Selbst modernes Fachidiotentum scheint unter dieser Maxime gerechtfertigt. Ich könnte nicht an diesenm Computer sitzen, diese Worte schreiben ohne die Spezialisten, die das geschaffen haben. Jedes Individuum findet im Laufe seines, ihres Lebens heraus, wofür er oder sie sich speziell geboren fühlt...
Unser Beziehungsleben wird in der modernen Gesellschaft auch immer spezieller, immer mehr speziell auf die Beteiligten abgestimmt! Monogamie ja, aber nur aus Liebe. Findet die ein Ende, können andere Beziehungsformen anliegen. So war und ist es in meinem Leben. Liebe ist auch in anderen Formen möglich! Die Natur schreibt uns letzlich gar nichts vor oder nimmt uns die Entscheidung ab. Außer, daß immer noch die Frauen die Kinder kriegen.
13.) Variation ist das Gewürz des Lebens
..das gute alte"variatio delectat", so kann ich als Mensch, sofern es meine Konditionierung erlaubt, alle Formen des Liebesspiels genießen, die Evolution schränkt mich nicht ein! Die süße Frucht der Freiheit, die manchen auch zeitweise als vergiftete Frucht erscheint - sie ist unser!
denn, auch Folgendes stimmt:
14.) Aussterben ist möglich
spätestens seit der Erfindung der Atombombe wissen wir, daß das auch uns geschehen kann, durch eigene Schuld.
Wir helfen vielen Arten dabei durch Umweltgifte.
Doch die Dinosaurier haben es auch ohne uns geschafft.
Nach alldem komme ich zu dem Schluß, daß Gefühle mit Sicherheit immer auch programmiert sind. Doch dieses Programm ist nicht so festgelegt, wie wir uns das vorstellen: mit statischen Faktoren oder Programmpunkten. Mir kommt es so vor, als wären die Grundbausteine unserer Evolution selber dynamisch. Das Ringen jedes einzelnen Menschen um seine spezielle Wahrheit als auch um die Grundwahrheiten des Lebens fließt auf eine uns noch unbekannte Weise in den Prozeß der Evolution ein, der immer einen größeren Bogen umfaßt, als das Individuum überschauen kann. Die Gefühle sind ein Teil dieses faustischen Dranges im Menschen, dem Geheimnis des Lebens auf die Spur zu kommen. Das Leben ist dynamischer als kulturellen Werte der Menschen, die zur Verkrustung neigen und deshalb lebensfeindlich sind. Aber wir sind in einer Veränderung der Paradigmen begriffen, die Richtung eines dynamischen Weltbildes entstetht unaufhaltsam -damit kommen wir dem Gefühl des Lebendigen näher. Ob die Programme der Evolution in ihrer immer neu angepaßten Form erfolgreich sein werden - das werden vielleicht erst unsere Enkel erahnen - wenn es noch eine Weile gut geht .
Es sind so viele Fragen aufgeworfen, wo sind die Antworten?
Ganz nebenbei, was sagt die heilige Wissenschaft des Tantra zu dem Thema?
Kristallklar, so scheint es mir, kommt die Antwort: Ja, ein wichtiger Teil der Gefühle ist programmiert, im Stammhirn, da, wo die vegetativen Impulse und die frühesten Erinnerungen sitzen. Weiter fortschreitend durch die nächsten beiden Gehirnschichten nimmt die Starrheit der Proammierung ab, kreative Lösungen sind möglich, wo im Stammhirn noch relativ blinde Aktion-Reaktionsmuster dominieren. Das tantrische Ritual ist so aufgebaut, daß die Urängste des Stammhirns zuerst beruhigt werden, um dann fortzuschreiten und Grenzerfahrungen zu machen - sich selbst immer wieder transzendierend.
Wenn Gefühle sich auch evolutionär entwickeln: Haben wir Gefühle, die unsere Eltern noch nicht kannten? Hatten sie Gefühle, die wir nicht mehr kennen? Haben unsere Kinder Gefühle, die wir noch nicht kennen?
Advaita im Internet: http://www.advaita-tantra.de